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Prävention & Management

Wichtige Aktualisierung | AHA/ACC-Leitlinie 2025 zu Hypertonie: 11 neue Empfehlungen für jeden Blutdruckpatienten

Plan for BP Medizinteam·Aufklärung zum Bluthochdruckmanagement
6 Min. Lesezeit
15. Januar 2025
HypertonieAHA/ACC-LeitlinieSekundäre HypertoniePrimärer HyperaldosteronismusSalzreduzierte ErnährungLebensstilinterventionRenale Denervation
Wichtige Aktualisierung | AHA/ACC-Leitlinie 2025 zu Hypertonie: 11 neue Empfehlungen für jeden Blutdruckpatienten

Wichtige Aktualisierung | AHA/ACC-Leitlinie 2025 zu Hypertonie: 11 neue Empfehlungen für jeden Blutdruckpatienten

Für Menschen mit Bluthochdruck und für das behandelnde medizinische Personal gibt es eine wichtige Nachricht: Die aktualisierte AHA/ACC-Leitlinie 2025 zum Management der Hypertonie ist erschienen.

Vorab ein kurzer Leitlinienbegriff: In der Leitlinie steht „COR“ für „Class of Recommendation“, also Empfehlungsklasse. COR 1 bedeutet eine starke Empfehlung (robuste Evidenz, sollte in der Praxis mit hoher Priorität umgesetzt werden), COR 2a steht für eine moderate Empfehlung (gute Evidenz, Einbezug der individuellen Situation), während COR 3 (Schaden) anzeigt, dass eine Maßnahme nicht empfohlen wird und sogar schädlich sein kann.

(1) Sekundäre Hypertonie: breiteres Screening, um Fehldiagnosen und übersehene Fälle zu vermeiden

Viele Betroffene wissen nicht, dass Bluthochdruck nicht immer „primär“ ist, sondern auch als Folge anderer Erkrankungen auftreten kann – etwa beim primären Hyperaldosteronismus. In solchen Fällen kann die gezielte Behandlung der Ursache oft zu einem deutlich besseren Blutdruck- und Risikoprofil führen.

1. COR 1 (starke Empfehlung): Bei Erwachsenen mit therapieresistenter Hypertonie (vereinfacht: Blutdruck trotz mehrerer Antihypertensiva schlecht kontrolliert) wird ein Screening auf primären Hyperaldosteronismus empfohlen – unabhängig davon, ob eine Hypokaliämie vorliegt. Das erhöht die Erkennungs- und Diagnoserate und ermöglicht gezieltere Therapien anstelle einer rein medikamentösen Eskalation ohne klare Ursache.

(2) Primärer Hyperaldosteronismus: Antihypertensiva vor dem Screening nicht unkritisch absetzen

2. COR 1 (starke Empfehlung): Bei Erwachsenen, die die Kriterien für ein Screening auf primären Hyperaldosteronismus erfüllen, sollten die meisten Antihypertensiva vor der Erstuntersuchung weitergegeben werden. Nur Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (MRA) müssen pausiert werden. So lassen sich Artefakte und unnötige Verzögerungen im diagnostischen Prozess reduzieren und die Aussagekraft der Testergebnisse verbessern.

(3) Lebensstilinterventionen: Die richtige Salzauswahl kann den Blutdruck mitsteuern

Lebensstilmaßnahmen bilden weiterhin die Basis jeder Hypertonietherapie. Die neue Leitlinie konkretisiert Empfehlungen für den Alltag – insbesondere bezüglich Ernährung und Salzkonsum.

3. COR 2a (moderate Empfehlung): Bei Erwachsenen – unabhängig davon, ob bereits eine Hypertonie vorliegt – kann der Einsatz kaliumangereicherter Salzersatzprodukte (häufig als „salzreduzierte“ oder „niedrignatriumhaltige“ Salze angeboten) helfen, erhöhten Blutdruck und Hypertonie vorzubeugen oder zu bessern. Besonders profitieren Personen, deren Salzkonsum vorwiegend aus der häuslichen Küche und Würzmitteln stammt. Bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) oder unter Medikamenten, die die Kaliumausscheidung vermindern, ist jedoch eine engmaschige Kontrolle erforderlich, um Hyperkaliämierisiken zu vermeiden.

(4) Akute intrazerebrale Blutung: Blutdruckziele mit Augenmaß – niedriger ist nicht immer besser

Das Blutdruckmanagement bei akuter intrazerebraler Blutung ist seit jeher ein kritisches und komplexes Thema. Die Leitlinie legt nun klarere Zielbereiche fest, um eine Über- oder Fehlbehandlung zu vermeiden.

4. COR 2a (moderate Empfehlung): Bei Erwachsenen mit akuter spontaner intrazerebraler Blutung und einer initialen systolischen Blutdruck (SBP) zwischen 150 und 220 mmHg wird empfohlen, den SBP rasch auf 130–<140 mmHg zu senken und diesen Bereich für mindestens sieben Tage aufrechtzuerhalten. Dies kann die funktionelle Erholung verbessern. Liegt der SBP bereits unter 130 mmHg, wird eine zusätzliche Blutdrucksenkung mit Antihypertensiva nicht empfohlen, um die zerebrale Perfusion nicht zu gefährden.

(5) Hypertonie in der Schwangerschaft: Drei Empfehlungen zum Schutz von Mutter und Kind

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen betreffen sowohl die Gesundheit der Mutter als auch die des Fötus. Die aktualisierte Leitlinie enthält drei spezifische Empfehlungen, um zentrale Herausforderungen im Blutdruckmanagement während der Schwangerschaft anzugehen.

5. COR 1 (starke Empfehlung): Wenn eine Schwangere eine SBP ≥160 mmHg oder eine diastolische Blutdruck (DBP) ≥110 mmHg aufweist, und dieser Befund innerhalb von 15 Minuten bestätigt wird, sollte innerhalb von 30–60 Minuten eine antihypertensive Therapie eingeleitet werden, um den Blutdruck auf <160/<110 mmHg zu senken. So lassen sich schwere Komplikationen wie Eklampsie oder vorzeitige Plazentalösung besser verhindern.

6. COR 1 (starke Empfehlung): Bei Frauen mit chronischer Hypertonie (vereinfacht: bereits vor der Schwangerschaft bestehender Bluthochdruck oder SBP 140–159 mmHg und/oder DBP 90–109 mmHg vor der 20. Schwangerschaftswoche) wird eine antihypertensive Behandlung empfohlen, um den Blutdruck unter 140/90 mmHg zu halten. Dies reduziert Morbidität und Mortalität bei Mutter und Kind.

7. COR 1 (starke Empfehlung): Bei Patientinnen mit Hypertonie, die eine Schwangerschaft planen oder bereits schwanger sind, sollten Ärztinnen und Ärzte darüber aufklären, dass eine niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) das Risiko für Präeklampsie und damit verbundene Komplikationen senken kann – ein zusätzlicher Baustein für mehr Sicherheit in der Schwangerschaft.

(6) Therapieresistente Hypertonie und renale Denervation: Strenge Indikationsstellung und multidisziplinäre Bewertung

Bei therapieresistenter Hypertonie – also unzureichender Blutdruckkontrolle trotz optimaler Pharmakotherapie – rückt die renale Sympathikusdenervation (RDN) zunehmend als mögliche Behandlungsoption in den Fokus. Die Leitlinie definiert klare Anforderungen an die Vorabklärung, um unnötige oder unpassende Eingriffe zu vermeiden.

8. COR 1 (starke Empfehlung): Bei Erwachsenen mit therapieresistenter Hypertonie sollte zunächst eine umfassende Diagnostik erfolgen, um sekundäre Hypertonieursachen auszuschließen. Gleichzeitig sollten alle aktuell eingenommenen Medikamente kritisch überprüft und Wirkstoffe, die die Blutdruckkontrolle erschweren, abgesetzt oder angepasst werden. Dies vereinfacht die Therapie, kann den Blutdruck effektiver senken und beugt Übertherapie vor.

9. COR 1 (starke Empfehlung): Alle Patientinnen und Patienten, die für eine renale Sympathikusdenervation (RDN) in Frage kommen, müssen von einem multidisziplinären Team mit ausgewiesener Expertise in therapieresistenter Hypertonie und RDN beurteilt werden. Nicht jede Person mit Bluthochdruck ist eine geeignete Kandidatin für diesen Eingriff.

Im Kern zielt die AHA/ACC-Leitlinie 2025 darauf ab, das Hypertoniemanagement präziser und individueller zu gestalten – weg von pauschalen „One-size-fits-all“-Empfehlungen hin zu differenzierten Strategien, die sich an der jeweiligen Patientengruppe und der klinischen Situation orientieren.

Wir hoffen, dass diese verständliche Zusammenfassung Ihnen hilft, die wichtigsten Botschaften der neuen Leitlinie zu erfassen. Möge jede und jeder mit Bluthochdruck durch ein strukturiertes, wissenschaftlich fundiertes Vorgehen den Blutdruck stabil halten und die eigene Gesundheit langfristig schützen. ❤️