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Prävention & Management

Neujahrsgedanken: Nicht nur auf Bluthochdruck schauen – Hypotonie bei Hypertoniepatienten ist noch gefährlicher

Plan for BP Medizinteams·Aufklärung zum Hypertoniemanagement
8 Min. Lesezeit
25. Februar 2026
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Neujahrsgedanken: Nicht nur auf Bluthochdruck schauen – Hypotonie bei Hypertoniepatienten ist noch gefährlicher

1. Hypotonie ist bei Hypertonikern sehr häufig

Viele glauben, dass Hypertoniker nur mit "zu hohen" Werten zu kämpfen haben. In der Praxis sehen wir jedoch, dass verschiedene Formen von niedrigem Blutdruck bei Hypertoniepatienten häufig sind und oft schwerer zu behandeln sind.

1.1 Orthostatische (posturale) Hypotonie

Orthostatische Hypotonie ist die häufigste Form. Viele kennen das Gefühl: Nach längerem Hocken oder Liegen führt plötzliches Aufstehen zu Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen oder Ohrensausen – das ist eine leichte Form der orthostatischen Hypotonie.

Beim schnellen Wechsel von der Liege- oder Sitzposition in den Stand versackt Blut in Beinen und Bauchraum, das venöse Rückströmen zum Herzen nimmt ab und der Blutdruck fällt rasch ab. Normalerweise kompensiert der Körper dies durch eine erhöhte Herzfrequenz und Gefäßverengung. Wenn dieser Mechanismus gestört ist, treten deutliche Beschwerden auf.

Klinisch wird orthostatische Hypotonie meist definiert als Abfall des systolischen Blutdrucks um ≥20 mmHg oder des diastolischen Blutdrucks um ≥10 mmHg innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen. Einige Studien werten auch einen kurzfristigen Abfall des systolischen Blutdrucks um ≥40 mmHg und/oder des diastolischen um ≥20 mmHg innerhalb von 15 Sekunden nach dem Aufstehen als Hinweis auf eine gestörte Blutdruckregulation.

Besonders häufig ist sie bei älteren Menschen. Untersuchungen zeigen, dass etwa 20 % der in der Gemeinschaft lebenden Senioren und 20–31 % der Bewohner von Pflegeeinrichtungen eine orthostatische Hypotonie aufweisen. In manchen Studien liegt die Prävalenz bei älteren Frauen im Vereinigten Königreich bei 28 %, und kontinuierliche Blutdruckmessungen finden noch höhere Raten.

Daher empfehlen Leitlinien, bei älteren Patienten mit Stürzen, Hypertoniesymptomen, Diabetes oder einem Alter über 80 Jahren routinemäßig die orthostatische Blutdruckmessung durchzuführen – statt sich nur auf sitzende oder liegende Messungen zu verlassen.

Viele Fälle verlaufen ohne Symptome. Ohne gezieltes Screening in Hochrisikogruppen wird orthostatische Hypotonie daher leicht übersehen.

1.2 Postprandiale Hypotonie

Postprandiale Hypotonie ist noch heimtückischer, aber ebenso häufig. Wie der Name schon sagt, tritt sie nach dem Essen auf – besonders nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten wie Reis, Nudeln oder Süßspeisen.

Nach der Mahlzeit wird viel Blut in den Verdauungstrakt umgeleitet, um die Verdauung und Aufnahme zu unterstützen. Gleichzeitig werden Darmhormone wie vasoaktives intestinales Polypeptid freigesetzt, die die Eingeweidegefäße erweitern und den systemischen Gefäßwiderstand senken. Beides zusammen lässt den Blutdruck sinken.

Die Diagnosekriterien sind klar: Ein Abfall des systolischen Blutdrucks um ≥20 mmHg innerhalb von zwei Stunden nach der Mahlzeit im Vergleich zum Ausgangswert oder ein Abfall von ≥100 mmHg vor der Mahlzeit auf <90 mmHg danach gilt als postprandiale Hypotonie.

Sie ist eine wichtige Ursache für Schwindel, Synkopen und Stürze bei älteren Menschen. Die Prävalenz liegt bei etwa 24–36 % der zu Hause lebenden Senioren und kann bei Pflegeheimbewohnern bis zu 70 % erreichen – heimtückisch und keineswegs harmlos.

2. Warum Hypotonie für Hypertoniker so gefährlich ist

Wir fürchten zu Recht, dass Bluthochdruck Gefäße und Herz schädigt. Für Menschen mit Hypertonie kann ein zu niedriger Blutdruck jedoch noch unmittelbarere und dramatischere Schäden verursachen – vor allem in drei Bereichen.

(1) Deutlich eingeschränkte Lebensqualität. Ausgeprägte orthostatische Hypotonie führt zu Schwindel, Verschwommensehen, Schwarzwerden vor den Augen und allgemeiner Schwäche – besonders beim Aufstehen am Morgen oder nach längerem Sitzen. Dies beeinträchtigt den Alltag massiv und erhöht das Sturzrisiko, insbesondere bei älteren Menschen.

(2) Schwere Komplikationen bis hin zu lebensbedrohlichen Ereignissen. Schwere orthostatische oder postprandiale Hypotonie kann zu plötzlichen Stürzen, Frakturen und längerer Bettlägerigkeit führen. Immobilität erhöht das Risiko für Pneumonie, Venenthrombosen, Lungenembolien und sogar Hirnblutungen – alles potenziell lebensbedrohlich.

Hypotonie bei Hypertonikern ist daher keinesfalls ein "kleines Problem". Wer sie ignoriert, geht ein hohes Risiko ein.

(3) Mögliche langfristige kognitive Einbußen. Studien deuten darauf hin, dass chronisch niedriger Blutdruck im Alter das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen erhöhen kann – vermutlich, weil die Hirndurchblutung langfristig reduziert wird und so Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit leiden.

Für ältere Hypertoniker ist der Gedanke "je niedriger, desto besser" gefährlich. Zielwerte sind wichtig, aber eine übertriebene Blutdrucksenkung mit Hypotonie als Folge richtet mehr Schaden an, als sie nützt.

3. Viele Gesichter der Hypotonie bei Hypertoniepatienten

Neben orthostatischer und postprandialer Hypotonie gibt es zahlreiche weitere Erscheinungsformen. In der Klinik wird sie grob in krankheitsbedingte Hypotonie und therapiebedingte Hypotonie durch Medikamente eingeteilt.

In weiteren Beiträgen werden wir diese beiden Gruppen genauer betrachten – ihre typischen Muster und Strategien, wie Betroffene niedrigen Blutdruck vermeiden und behandeln können, ohne in die Falle einer übermäßigen Blutdrucksenkung zu tappen.

Im Jahr des Pferdes wünschen wir allen ein bewusstes Blutdruckmanagement – nicht nur den Bluthochdruck im Griff zu behalten, sondern auch die versteckten Gefahren der Hypotonie im Blick zu haben. Gesundheit bedeutet nie nur "Werte möglichst tief drücken", sondern das richtige Gleichgewicht für den eigenen Körper zu finden.